
„Die Immobilienpreise sind gestiegen“ – das klingt eindeutig, ist aber ohne Kontext oft unvollständig. Denn Preisentwicklungen können nominal (ohne Inflationsbereinigung) steigen, während sie real (inflationsbereinigt) kaum zulegen oder sogar sinken. Dieser Leitfaden erklärt dir die Begriffe so, dass du Marktberichte, Indexkurven und Vergleiche sauber und fair einordnen kannst – ohne Mathe-Overkill.
Fokus: Verständnis + Anwendung. Keine akademische Volkswirtschaft, sondern klare Entscheidungshilfe.
Merksatz:Nominal zeigt die Preisänderung in Euro. Real zeigt die Preisänderung in „Kaufkraft-Euro“ (Inflation herausgerechnet). Für Mehrjahresvergleiche ist „real“ oft die ehrlichere Perspektive.
Nominal bedeutet: Du schaust auf die reinen Preisänderungen – ohne zu berücksichtigen, dass Geld im Zeitverlauf an Kaufkraft verliert (Inflation). Real bedeutet: Du bereinigst die nominale Entwicklung um Inflation, um die Veränderung in Kaufkraft zu sehen.
Immobilien sind langfristige Güter. Wer Entwicklungen über mehrere Jahre bewertet – Marktphase, Kaufzeitpunkt, Wertentwicklung – sollte verstehen, ob eine Steigerung wirklich „mehr Wohlstand“ bedeutet oder nur Geldentwertung widerspiegelt.
Ein nominaler Anstieg kann real deutlich kleiner sein. Das verändert die Bewertung von „Boom“-Phasen oder vermeintlicher Stabilität.
Wer Immobilienentwicklung mit anderen Größen vergleicht (z. B. Einkommen, Zinsen), braucht eine konsistente Perspektive.
Viele Headlines nutzen nominale Werte. Ohne „real“-Blick wirkt eine Entwicklung schnell dramatischer oder positiver, als sie ist.
„Warten lohnt sich, weil real fällt“ ist als Pauschalsatz gefährlich. Entscheidend sind Segment, Finanzierung, Objektqualität.
Weiter: Kaufen oder warten?
Du musst keine komplizierten Formeln kennen. Entscheidend ist das Prinzip: Wenn Preise nominal um X steigen und Inflation ebenfalls hoch ist, bleibt real weniger übrig. Real ist also der „Kaufkraft-Check“.
„Real sinkt – also sollte ich warten.“ Realwerte sind nützlich, aber sie ersetzen keine individuelle Entscheidung. Finanzierungskosten, Objektqualität und persönliche Planung sind mindestens genauso wichtig.
Kontext: Zinsen & Marktphasen
Preisindizes sind oft nominal. Wenn du Marktphasen über Jahre vergleichst, lohnt sich der Blick auf „real“, weil er Übertreibungen glättet und Entwicklungen in Kaufkraft sichtbar macht.
Real hilft, die Qualität einer Trendphase zu prüfen: Ist es echte Wertsteigerung – oder vor allem Inflation?
Real ersetzt keine Preisprüfung einzelner Angebote. Dafür brauchst du Spannen, Vergleichbarkeit und Objektmerkmale.
Weiter: Kaufspiegel · Spannen
FAQ
Nicht zwingend. Real bedeutet „in Kaufkraft“. Nominal können Preise stabil bleiben oder steigen, während real die Kaufkraftentwicklung schwächer ist. Für deinen konkreten Kauf zählen zusätzlich Zinsen und Objektpreise im Zielsegment.
Vor allem bei Mehrjahresvergleichen, Marktphasen-Einordnung und wenn du „Wertentwicklung“ wirklich in Kaufkraft verstehen willst. Für sehr kurze Zeiträume ist nominal oft ausreichend.
Weil nominale Werte einfacher zu kommunizieren sind und häufig direkt aus Datenreihen kommen. Für eine saubere Einordnung lohnt es sich aber, real als zweite Perspektive mitzudenken.
Inflation beeinflusst Geldpolitik und Zinsen – und damit Finanzierungskosten. Zinsen wirken wiederum stark auf Nachfrage und Zahlungsbereitschaft, je nach Segment und Region.
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