Fake-Immobilien im Internet: Wie man sie erkennt und anzeigt

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Ratgeber - Fake-Immobilien im Internet: Wie man sie erkennt und anzeigt


Die Suche nach der Traum-Immobilie ist kein leichtes Stück Arbeit. Unzählige Angebote müssen durchsucht, Preise und Lagen verglichen werden. Und wenn man bei der Suche schon der Verzweiflung nahe ist, weil das Einkommen nicht für ein interessantes Objekt reicht, findet man es plötzlich: das unschlagbare Angebot. Beste Lage, vier Zimmer, riesiger Balkon, Einbauküche und on top sogar noch eine Badewanne mit Whirlpool-Funktion zu einem Preis, der uns sofort zum Telefon greifen lässt. Das Problem: Es handelt sich höchstwahrscheinlich um ein fingiertes Inserat, denn nicht wenige Betrüger haben Immobilienportale als Medium für ihre hinterlistigen Zwecke entdeckt und nutzen diese schamlos aus. Die Kriminellen haben es meist auf Geldüberweisungen der Wohnungs-Interessenten abgesehen und werden in ihrer Vorgehensweise leider immer raffinierter, professioneller. Aufgrund dessen sollten Interessenten Schnäppchen-Angebote genauestens überprüfen und bloß keine voreiligen Geschäfte tätigen.
Während sich die skrupellosen Machenschaften der Betrüger anfangs hauptsächlich auf Mietwohnungen beschränkten, finden sich mittlerweile auch unter Verkaufsobjekten gefälschte Angebote. Der Hintergrund ist leicht erklärt: Bei Kaufobjekten können die Täter einen viel höheren Betrag auf einen Schlag abgreifen, als bei einem Betrug mit einer Mietwohnung. Für ihre betrügerischen Absichten bedienen sie sich häufig seriöser Makler- und Firmennamen. Damit Sie nicht auf die skrupellosen Machenschaften dreister Abzocker hereinfallen, haben wir viele hilfreiche Tipps zusammengefasst, mit welchen Sie Betrüger erkennen und somit seriöse von unseriösen Annoncen unterscheiden können.

Wo findet man besonders viele Fake-Inserate vor?

Besonders häufig kommen Fake-Annoncen in den Ballungszentren vor. Hierfür sind vor allem zwei Faktoren sehr ausschlaggebend. Zum einen  ist der Druck auf dem Wohnungsmarkt in einer Großstadt viel höher, was zur Folge hat, dass ein viel größeres Interesse an einer günstigen Wohnung besteht, wodurch die Suche nach bezahlbarem Wohnraum in der Regel viel mehr Zeit in Anspruch nimmt. Zum anderen besteht in den Ballungszentren eine viel größere Reichweite, wodurch Betrüger mit einem Fake-Inserat viel mehr Interessenten, um nicht Opfer zu sagen, erreichen als in einer Kleinstadt.

Die gängigen Maschen der Immobilien-Betrüger

Die Kriminellen haben diverse Maschen in der Vergangenheit angewendet, die perfider kaum sein könnten, doch teilweise schon in ihrer Vorgehensweise auf eine List hindeuten.

Vorkasse-Betrug

Bei dieser gängigen Betrugs-Masche weilt der eigentliche Eigentümer meist im Ausland, aber offeriert dem Interessenten, ihm den Schlüssel für die Wohnung per Post zukommen zu lassen. Diesen gibt es aber nur gegen eine Vorab-Kaution als Sicherheit. Abgewickelt wird das Prozedere meist über Institutionen, bei denen man Bargeld ohne konkreten Personennachweis überweisen kann, beispielsweise via Western Union. Nach dieser Zahlung kommt jedoch nie ein Schlüssel an. Interessenten sollten derartige Inserate also genauestens prüfen, da eine solche Vorgehensweise nicht der gängigen Praxis entspricht.

Nachnahme-Betrug

Wie bereits erwähnt, werden die Betrüger immer raffinierter. Da die Vorab-Kaution nach Betrug klingt, bieten manche von ihnen an, den Schlüssel per Nachnahme zu senden. Diese Schlüssel kommen dann sogar beim Interessenten, der die Gebühr per Nachnahme entrichtet, an, doch passen selbstverständlich nicht in das angeblich dazugehörige Haustürschloss. Auch an dieser Stelle gilt: Erst zahlen, wenn die Immobilie besichtigt wurde und man einen Miet- bzw. Kaufvertrag unterzeichnet hat.

Phishing

Den Begriff „Phishing“ kennt man meistens nur im Zusammenhang mit Online-Banking, doch Betrüger haben es auch auf Wohnungssuchende und Immobilienanbieter abgesehen. Der Trick funktioniert so: Kunden von Immobilienportalen erhalten eine Mail und werden unter einem Vorwand dazu aufgefordert, sich mit ihren Login-Daten im Immobilienportal einzuloggen. In der Mail ist ein Link enthalten, der die Kunden auf die fingierte Login-Seite führt. Die dort eingegebenen Daten werden an unberechtigte Personen weitergeleitet. Auf diese Weise missbrauchen Kriminelle seriöse Verkaufs- oder Vermietungsangebote für einen Vorkasse-Betrug. Die Echtheit eines solchen Links kann man aber überprüfen, wie in folgendem Beispiel mit dem Portal „immowelt.de“: Lautet der Link zum Beispiel „immowelt.phishingdomainname.de“ („phishingdomainname“ steht hier als Platzhalter, wofür ein beliebiger Begriff stehen kann) anstelle des Linktextes „immowelt.de“ oder „meine.immowelt.de“, dann handelt es sich um einen Fake-Link mit betrügerischer Absicht. Wer sich unsicher ist, ob es sich um eine echte Mail eines Immobilienportals handelt, kann sich an den Support des Betreibers wenden.

Kostenpflichtige Listen

Bei dieser Masche geben sich Betrüger als Makler aus und bieten Listen mit interessanten und vor allem exklusiven Wohnungsangeboten gegen Zahlung an. Das perfide an dieser Masche ist, dass die Betrüger meistens Listen seriöser Makler kopieren, die vom Missbrauch ihres Namens nicht erfahren und somit dagegen auch nicht vorgehen können. Verlangt ein Anbieter also eine finanzielle Vorleistung für eine Liste mit Wohnungen, dann lässt das auf einen Betrugsversuch schließen.

Indizien für Betrugsobjekte

Schon bei der Suche auf den diversen Immobilienportalen können Wohnungsinteressenten auf Indizien stoßen, die sie skeptisch machen sollten.

Vergleichsweise günstig

Niemand hat etwas zu verschenken – so heißt es -, erst recht kein Geld. Warum sollte also jemand seine Immobilie zu einem unterirdischen Wert inserieren? Grundsätzlich gibt es auf dem Immobilienmarkt zwar noch Schnäppchen, doch ein derartiges sollte man genauestens überprüfen, ob es echt ist oder sich um ein Fake-Angebot handelt. Ob der Preis der Immobilie wirklich ungewöhnlich niedrig ist, kann man unter Zuhilfenahme des örtlichen Mietpreisspiegels herausfinden. Speziell ortsfremde Interessenten können so besser einschätzen, ob der Preis realistisch angesetzt wurde.

Bilder wie aus einem Hotel-Prospekt

Fotos sagen viel über ein Objekt aus. Wenn aber der Eindruck entsteht, dass es sich um Werbebilder handelt, die optisch inszeniert wirken, wie auf Hotelseiten beispielsweise, dann sollten die Alarmglocken klingeln. In diesen Fällen werden häufig unnütze Details, wie die Einrichtung, Türknäufe oder einzelne Gegenstände, gezeigt. Wenn die Beschreibung der Immobilie obendrein nicht zu den Fotos passt, ist dies ein weiteres Warnzeichen für ein Fake-Inserat.

Ungewöhnlicher Baustil

Wer sich in der Gegend auskennt, in dem eine Immobilie angeboten wird, der kann schon einmal gut einschätzen, ob die Immobilie wirklich in das Viertel passt. Wenn eine Wohnung wie ein Luxusobjekt oder Designer-Loft in der Annonce daherkommt, obwohl in dieser Gegend nur Altbauten stehen, sollte man gewarnt sein. Im Zweifelsfall die konkrete Adresse erfragen und diese prüfen.

Falsche Adresse

Dank Googles Streetview kann man heutzutage eine Wohngegend leicht vom hauseigenen PC aus begutachten. Wenn in einem Inserat eine Adresse steht, ist eine Gegenprobe also sogar vom heimischen Sofa aus möglich. Wenn die reale Hausansicht nicht zu den Fotos passt, dann weiß man sofort Bescheid, um was für ein Inserat es  sich handelt. Ganz plump sind Inserate mit Adressen und Hausnummer, die es überhaupt nicht gibt.

Sprachliche Finessen

Schon in manchen Objektbeschreibungen lassen sich Hinweise auf betrügerische Absichten entdecken. Ist der Text in fehlerhaftem oder sinnfreiem Deutsch verfasst? Dann hat ein Betrüger seinen Text wahrscheinlich einfach durch ein Übersetzungsprogramm übersetzen lassen. Ebenso ist es ein Indiz für obskure Machenschaften, wenn Anbieter auf Englisch antworten.

Fehlende Informationen

Seriösen Angeboten liegen meist eine ganze Reihe von Fakten bei, wie Höhe der Warm- und Kaltmiete, dem Energieausweise (gehört bei Kaufobjekten zwingend ins Inserat) und so weiter. Betrüger versehen ihre Anzeigen aber meist nur mit der Warmmiete. Ein weiteres Indiz, dass es sich um ein Fake-Angebot handelt: Warm- und Kaltmiete sind identisch.

Ansprechpartner fehlt oder klingt merkwürdig

Das angebotene Objekt enthält keinen Anbieter? Normalerweise steht jedoch unter jedem seriösen Angebot ein Makler oder eine Privatperson. Kriminelle nutzen dafür gern schwammige Floskeln à la „von Privat“. Eine Garantie für ein echtes Angebot stellt aber auch ein Maklername unter dem Inserat nicht dar. Selbst wenn man diese Person googelt und die Suche einen Treffer hervorbringt, ist dies keine Garantie für ein echtes Inserat. Es kommt vor, dass Betrüger die Kontaktdaten von seriösen Maklern klauen, um dann ihre Fakes unter seriöse Namen zu stellen. Falls eine Telefonnummer bei der Suche gefunden wird, einfach mal anrufen und die Annonce gegen prüfen.

Vorsicht vor emotionalen Geschichten

Der Kontakt zum Inserenten besteht, weil sich die voran genannten Anzeichen nicht bestätigt haben. Doch nun erzählt der Anbieter eine emotionale Geschichte, warum der Preis so gut und die Immobilie so schnell zu haben ist - von der pflegebedürftigen Mutter bis hin zum Trauerfall in der Familie sind da keine Grenzen gesetzt bei den skrupellosen Betrügern. Die Geschichten haben aber alle meist einen gemeinsamen Nenner: Der Anbieter will die Wohnung schnell vermieten oder verkaufen, weshalb es zu einem großzügigen Angebot kommt. Der Interessent kann die Wohnung dann allein besichtigen, wenn der Eigentümer den Schlüssel per Post geschickt hat, was er aber nur tut, wenn die Vorab-Zahlung geleistet wurde. Den Schlüssel bekommen die hinters Licht geführten natürlich nicht: Der Vorkasse-Betrug ging auf.

Zahlung an ausländische Kredit- oder Geldtransferinstitute

Wenn ein Makler oder Besitzer den Interessenten dazu auffordert, eine bestimmte Summe auf ein ausländische Konto zu überweisen, kann dieser das Geld auch lieber gleich verbrennen, denn von diesen Instituten bekommt er es garantiert nicht zurück. Seriöse Anbieter verlangen kein Geld vor einer Besichtigung und dieses erst recht nicht auf ein ausländisches Konto. Hinter solchen Aufforderungen stecken zu 100 Prozent kriminelle Absichten.

So gehen Immobilienportale gegen Falsch-Inserate vor

Für Immobilienportale ist es bei der Vielzahl an Inseraten schwierig, reale Angebote von betrügerischen zu unterscheiden, da prinzipiell jeder eine Annonce schalten kann. Portal-Betreibern ist es nicht möglich, jedes einzelne Inserat vor Veröffentlichung zu prüfen. Bei Immobilienscout24 beispielsweise gibt es jedoch technische Maßnahmen, um Fakes erkennen zu können. Die Filter erkennen unseriöse Angebote anhand verschiedener Kriterien, wie beispielsweise dem Preis-Lage-Verhältnis. Im nächsten Schritt setzen sich dann Mitarbeiter mit dem möglichen Fake-Inserat auseinander. So können verdächtige Objekte innerhalb kürzester Zeit identifiziert und deaktiviert werden. Mindestens genauso wichtig für die Betreiber solcher Portale sind von Usern gemeldete Inserate, da aufgrund der Vielzahl und immer neuen Betrugsmaschen, die qualitativ auch noch immer besser werden, den Betreibern auch mal ein Fake-Inserat durch die Lappen geht.

Was tun, wenn man Betrügern auf den Leim ging?

Wer Opfer eines Betrugs wurde, sollte umgehend den Portal-Betreiber informieren und Anzeige bei der Polizei erstatten. Jeglicher Kontakt, von der ersten bis zur letzten Mail, sollte dokumentiert an die Betreiber und die Polizei weitergereicht werden. Das erhöht die ohnehin schon schlechten Chancen auf Rückerstattung des Geldes zumindest ein wenig. Wer innerhalb kürzester Zeit den Betrug durchschaut, kann eventuell noch zur Bank gehen und die Überweisung zurückziehen. Anderenfalls gilt: Aufpassen, sich nicht unter Druck setzen lassen und auch bei der schwierigen Situation auf den Immobilien-Märkten der Großstädte nicht einfach irgendeinem Unbekannten Geld überweisen für Leistungen nicht erbrachte Leistungen. Nur so kann man den kriminellen Machenschaften skrupelloser Betrüger entgegenwirken.



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